Deutsche Autobranche: Wie sieht die Zukunft aus?

Die Autobranche gilt seit Jahrzehnten als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Dennoch könnte die Zukunft große Veränderungen mit sich bringen. Das betrifft kleine wie große Unternehmen gleichermaßen.

Stellenabbau schreitet voran – ist die Trendwende möglich?

Glaubt man den gängigen Klischees, gehört eine gewisse Portion Pessimismus zu den deutschen Grundtugenden. Auf diese Weise lassen sich derzeit – und schon seit Monaten – auch die Zukunftsprognosen für die deutsche Automobilbranche interpretieren. Allerdings wäre das etwas zu kurz gefasst, denn tatsächlich sieht sich der Markt gewaltigen Veränderungen gegenüber. Und wie sich diese im Detail auswirken, darüber gibt es verschiedene Meinungen.

Zukunft der Automobilindustrie

Sicher ist lediglich, dass die steile Aufwärtskurve des 20. Jahrhunderts nicht in dieser Form weitergehen wird. Dafür gibt es bereits genügend Indikatoren: Premium-Namen wie Daimler sprechen von Stellenkürzungen und Sparplänen, BMW hat einen Einstellungsstopp bis 2025 verhängt und die ausländische Konkurrenz gewinnt immer mehr Boden.

Da ist es nur bezeichnend, dass kleine und mittelständische Betriebe mit wachsenden Problemen zu kämpfen haben, und das oft nicht mit positivem Ausgang. Nicht ohne Grund gibt es immer mehr Unternehmen, die eine spezielle Taktik verfolgen: Indem sie gezielt zu günstigen Preisen insolvente Unternehmen kaufen, profitieren sie von bereits bestehenden Strukturen und haben so weniger Startschwierigkeiten als bei einer eigenen Neugründung.

Megatrends sorgen für neue Spielregeln

Als Grund für die oftmals angekündigte Krise wird nicht nur ein Aspekt genannt. Vielmehr ist es das Zusammenspiel mehrerer Megatrends, die im Verbund umso stärker wirken. Da wäre die anhaltende Urbanisierung, die in westlichen Ländern bereits Diskussionen über autofreie Innenstädte angeregt hat. Ebenfalls wichtig ist die Digitalisierung, in deren Rahmen zahlreiche Vorgänge automatisiert werden – dies betrifft die Arbeitsplätze direkt.

Als wäre das nicht genug, schweben Negativ-Themen wie der Abgasskandal um VW weiterhin über der Branche und verschlechtern die ohnehin schon angespannte Stimmung. Und gleichzeitig geht der Streit um die Technologie der Zukunft weiter: Nachdem sich die Hersteller auf jahrelangen öffentlichen Druck hin der Elektromobilität zugewandt haben, Milliardeninvestitionen inklusive, wird inzwischen wieder diskutiert, ob dies überhaupt der richtige Weg ist. BMW fährt deswegen zweigleisig und setzt parallel auf Fortschritte in der Wasserstoff-Technologie.

Zur Zeit scheint es also deutlich mehr offene Fragen als konkrete Antworten zu geben. Es wird sich zeigen, ob der deutsche Ingenieursgeist die richtigen Schlüsse zieht und, vermutlich noch wichtiger, in der Lage ist, schnell zu reagieren. Wegen der Konkurrenz aus den USA und Asien sind kurze Schaltwege gefragt, und inzwischen gilt das nicht nur auf technischer Ebene.

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